Panzerknacker: Kulmbacher Kriminalfall nach vier Jahren aufgeklärt

Panzerknacker: Kulmbacher Kriminalfall nach vier Jahren aufgeklärt – Still ruhte der See – und auf dem Grund der Kieswäsch lag jahrelang ein Tresor, der 2013 von Einbrechern in der Jugendwerkstatt der Geschwister-Gummi-Stiftung gestohlen worden war. Eine filmreife Tat, die seinerzeit in Kulmbach Schlagzeilen gemacht hatte und nun am Amtsgericht Kulmbach juristisch aufgearbeitet wurde.

Der Tresor lag in der Kieswäsch, aber Kommissar Zufall führte Regie: Nur so konnte den Einbrechern in die Jugendwerkstatt der Prozess gemacht werden.

Still ruhte der See – und auf dem Grund der Kieswäsch lag jahrelang ein Tresor, der 2013 von Einbrechern in der Jugendwerkstatt der Geschwister-Gummi-Stiftung gestohlen worden war. Eine filmreife Tat, die seinerzeit in Kulmbach Schlagzeilen gemacht hatte und nun am Amtsgericht Kulmbach juristisch aufgearbeitet wurde.

Was war damals geschehen? Am 23. April 2013 – gegen Mitternacht – drangen zwei junge Männer, beide 19, in die Jugendwerkstatt in der E.-C.-Baumann-Straße ein. Sie wussten, dass dort Geld zu holen war. Was sie nicht wussten: dass die Geldkassette in einem Tresor verwahrt wurde.

Sauschwere Kiste

Es war nicht schwer, den in einem Schrank angeschraubten Stahlsafe auszubauen. “Sperrholz, kein Problem”, sagte der eine Angeklagte. Nicht so einfach war es, den Tresor wegzuschaffen. “Verdammt schwer”, so der zweite Einbrecher. Gefühlte 150 Kilo, schätzte er. Damit hatten die Täter nicht gerechnet. Es war eine Schufterei, die sauschwere Kiste zu zweit bis zur Flutmulde zu schleppen.

Die zwei Kerle hatten sich zwar sehr viel Mut angetrunken und Einbruchswerkzeug und Handschuhe mitgebracht, aber kein Auto. Daher riefen sie einen Kumpel an, der als Chauffeur gebraucht wurde. Er fuhr das Beutestück nach Hause und bekam 50 Euro für seine Dienste.

Dann machen sich die Tresorknacker ans Werk: Die Rückwand des Metallkastens wurde aufgeflext und das Geld entnommen. Laut Staatsanwalt Holger Gebhardt waren 706,25 Euro drin. Der angerichtete Schaden belief sich auf 1000 Euro.

Ihr Motiv: Sie brauchten Geld. Aber daheim wollten sie das Corpus Delicti nicht haben. Zu heiß, der Tresor musste weg. “Meine Freundin ist gefahren”, sagte der etwas jüngere Angeklagte, “aber sie wusste von nichts.” Kiste ins Auto, Decke drüber – ab zur Kieswäsch. Vier Meter vom Ufer entfernt wurde der Tresor versenkt. Dort ruhte er in zwei Metern Tiefe.

Ein Tipp und Taucher

Und dort läge er vielleicht heute noch, wenn sich nicht Kommissar Zufall eingemischt hätte. Die Kripo hatte nach der Tat nichts rausbekommen und die Ermittlungen eingestellt. Aber im Mai 2017 bekam die Polizei einen Tipp, und Taucher der Bereitschaftspolizei zogen den Tresor aus dem Wasser. Jetzt waren die Nachforschungen erfolgreich, und der Kriminalfall wurde aufgeklärt.

Am Mittwoch standen die Täter vor dem Jugendschöffengericht, was beiden unangenehm war. Diebstahl und Sachbeschädigung wurde ihnen vorgeworfen. Sie machten reinen Tisch. Sie seien “saublöd” gewesen, “wir hatten nur Mist im Kopf”. Aufgrund des Geständnisses konnte man auf Zeugen verzichten.

Ein Jahr Angst vor der Polizei

Der Ältere gab zu, dass er im ersten Jahr nach der Tat Angst hatte, “dass die Polizei vor meiner Tür steht”. Inzwischen habe er sein Leben im Griff und eine feste Anstellung in seinem erlernten Handwerksberuf. Sein Arbeitgeber stellte ihm ein super Zeugnis aus: sehr gute Arbeitsqualität, freundlich, kollegial.

Bei seinem Komplizen war die Ausgangslage komplizierter. Mehrfach – auch einschlägig – vorbestraft, hat er nach wie vor beruflich nicht Tritt gefasst. Eine Vorverurteilung und eine offene Bewährung mussten einbezogen werden. Außerdem scheint er seine Drogenprobleme nicht in den Griff zu kriegen.

Nach fast drei Stunden Verhandlung wurde das Urteil verkündet. Zuvor hatten der Staatsanwalt sowie die zwei Verteidiger, die Rechtsanwälte Alexander Schmidtgall und Ralph Pittroff, beide aus Kulmbach, plädiert. Das Gericht blieb mit dem Urteil salomonisch in der Mitte.

Einer hat die Kurve gekriegt, einer noch nicht

Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner sprach beide Angeklagte schuldig. Der Ältere (“lebt heute in geordneten Verhältnissen”) muss eine Geldstrafe von 3000 Euro bezahlen – an die Gummi-Stiftung. Der Jüngere, der selbst mal in der Jugendwerkstatt beschäftigt war, wurde zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Das Gericht ging – im Gegensatz zur Jugendgerichtshilfe – weiterhin davon aus, dass schädliche Neigungen vorliegen. “Er braucht eine engmaschige Betreuung, er ist nach wie vor massiv gefährdet”, stellte der Richter fest.

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