Aufwendiges Puzzlespiel der Soko-Ermittler

HOF – Der mutmaßliche Serienkiller Volker E. aus Hof ist angesichts der gegen ihn vorgebrachten Verdachtsfälle „regelrecht platt“. Das sagte sein Anwalt, der Kulmbacher Strafrechts-Experte Alexander Schmidtgall, der Frankenpost am Dienstagabend auf Anfrage. Schmidtgall hatte von unserer Zeitung erfahren, dass sein Mandant, der bislang sechs Morde gestanden hat, nun in weiteren 13 Fällen verdächtigt wird (siehe Bericht auf Seite 1). „Er war sehr überrascht, sieht aber keinen Anlass, dazu etwas zu sagen. Wir wollen nun zunächst wissen, was für Beweise gegen ihn vorgebracht werden sollen.“

Sein Mandant habe beteuert, er habe nach seiner Festnahme im November alle seine Taten gestanden. Weitere Vorwürfe bestreite er: „Warum sollte er sechs Morde zugeben und 13 verschweigen? Das macht doch keinen Sinn.“

Konkreter Verdacht

Volker E. sei von den Ermittlern schon gezielt nach anderen Taten gefragt worden, so nach der im Juli 2002 im nordspanischen Figueres verschwundenen Prostituierten Rita Neata. Die Leiche der Rumänin wurde nie gefunden. Die spanischen Ermittler haben E. hier ganz konkret in Verdacht.

Keine Anhaltspunkte gibt es nach Schmidtgalls Angaben dafür, dass E. im April 1987 die Spitzenarbeiterin Heike Wunderlich aus Altensalz bei Plauen erdrosselt hat. An der Leiche waren Sperma-Spuren des Täters gefunden worden und ein Vergleich mit E.s DNA habe nach seiner Kenntnis keine Übereinstimmung ergeben. „Auch diesen Fall hat mein Mandant von Anfang an bestritten. Jetzt wird dies durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt.“

Insgesamt ermitteln die 22 Beamten der Soko „Fernverkehr“ in 13 weiteren Fällen gegen E., davon fünf in Deutschland, vier in Frankreich, zwei in Spanien und je einem in Italien und in Tschechien.

Bewegungsbild über Jahre

Herbert Gröschel, der Pressesprecher des oberfränkischen Polizeipräsidiums, bei dem die Soko angesiedelt ist, sprach von einer enorm zeitaufwendigen Kleinarbeit: „Wir müssen Volker E.s Leben über Jahre hinweg aus vielen winzigen Puzzleteilen zusammenfügen, um herauszufinden, wann er wo gewesen sein könnte.“ Nicht immer sei er im Lkw unterwegs gewesen und auch dann seien die Aufzeichnungen nicht lückenlos. „Das Bewegungsbild ist eine sehr schwierige Aufgabe, die uns ganz massiv beschäftigt.“ Die Arbeiten liefen „seit Bekanntwerden der Fälle im Hintergrund immer auf Hochtouren, auch wenn darüber nicht täglich berichtet wird“. Schwierig gestalte sich auch die Informationsgewinnung im Ausland, da ja jede Aussage nicht nur sinngemäß gedolmetscht, sondern auch juristisch verwertbar übersetzt werden müsse.

Ähnliche Umstände

Konkret arbeite die Soko an Verdachtsfällen, die von ausländischen Ermittlungsgruppen an sie herangetragen worden seien und bei denen „das Tatverhalten stimmt oder zumindest die Umstände ähnlich sind, unter denen die Frauen ums Leben gekommen sind“. Es werde auch geprüft, ob die Opfer ins Tatschema des Volker E. passen. Nach Informationen der Frankenpost aus anderer Quelle soll E. es bei seinen Taten ausschließlich auf Frauen mit langen dunklen Haaren abgesehen gehabt haben.
Herbert Gröschel zufolge wird jetzt nach dem Ausschlussverfahren ermittelt, ob E. für die Verdachtsfälle als Täter in Betracht komme. Vor allem prüfe man, ob er zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt überhaupt am Tatort gewesen sein kann. Demnächst werde in einer gemeinsamen Sitzung von Polizeipräsidium, Justiz und Bundeskriminalamt das weitere Vorgehen abgestimmt.

RAINER MAIER
FP, den 21.03.2007
http://www.frankenpost.de/nachrichten/special/serienkiller_volker_e/art3407,623976