Freispruch im Oberauhof-Prozess

Kulmbach – Auch am zweiten Verhandlungstag zu der Massenschlägerei am 14. Juli 2007 am Oberauhof hat Richterin Sieglinde Tettmann niemanden verurteilt. Der Hauptangeklagte, ein betrunkener Schwimmer, der mit 2,75 Promille im Blut „Auslöser“ für die Schlägerei war, kam am ersten Prozesstag vor dem Kulmbacher Amtsgericht mit einer Arbeitsauflage davon. Der zweite Angeklagte, der später zum Geschehen hinzu gekommen sein soll, wurde am zweiten Verhandlungstag freigesprochen.

Kulmbach – Auch am zweiten Verhandlungstag zu der Massenschlägerei am 14. Juli 2007 am Oberauhof hat Richterin Sieglinde Tettmann niemanden verurteilt. Der Hauptangeklagte, ein betrunkener Schwimmer, der mit 2,75 Promille im Blut „Auslöser“ für die Schlägerei war, kam am ersten Prozesstag vor dem Kulmbacher Amtsgericht mit einer Arbeitsauflage davon. Der zweite Angeklagte, der später zum Geschehen hinzu gekommen sein soll, wurde am zweiten Verhandlungstag freigesprochen. Der 26 Jahre alter Spätaussiedler, soll einer der Russen gewesen, sein, die später zum Geschehen dazu geholt worden sind. Er soll einem Betreuer der zeltenden Angler einen Faustschlag verpasst haben, ein anderer Russe soll dem Betreuer dann, obwohl er schon bewusstlos war, noch einen Fußtritt verpasst haben. Der 26-Jährige war wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Doch weder am ersten noch am zweiten Prozesstag konnte ein Zeuge den Faustschlag bestätigen. Vielmehr haben die Zeugen, die bei der Polizei aussagten, sie hätten den Hieb gesehen, ihre Aussage vor Gericht relativiert.

Am zweiten Verhandlungstag sagten mehrere russische Zeuginnen aus, die später ins Zeltlager gefahren sind. „Die Deutschen sind mit Ästen und Fäusten auf uns los. Einer hat ein Tischbein abgebrochen und ist hinter uns her. Ich habe gedacht, die bringen uns um und sofort meinen Dreijährigen ins Auto gepackt“, erzählt eine Zeugin. Außerdem habe sie den betrunkenen Schwimmer und einen weiteren verletzten Russen mitnehmen wollen.

Chaotische Zustände
Doch die zeltenden Angler hatten den Russinnen, die ihre Kinder und die Verletzten in Sicherheit bringen wollten, inzwischen den Weg versperrt, sodass sie nicht mehr wegfahren konnten. Auch eine andere Zeugin schilderte die chaotischen Zustände, auf die sie getroffen sei. Sie sei sofort mit einem kleinen Kind zu Fuß weggelaufen, erzählte sie. Aus Angst. Eine weitere russische Zeugin, die ebenfalls mit dem Auto ans andere Ufer gefahren sei, erschien zur Hauptverhandlung nicht. Gegen sie wurde eine Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro oder ersatzweise zwei Tage Ordnungshaft verhängt.

Bestätigen, dass der Angeklagte bei der Schlägerei überhaupt dabei war, wollte niemand. Vielmehr erklärte eine weitere russische Zeugin sogar, dass sie am selben Abend mit ihm in der Disco gewesen sei und dass er nicht verletzt gewesen sei und auch nichts von einer Schlägerei erzählt habe.
Der Vorwurf, dass der Angeklagte mit einem Unbekannten einen Betreuer des Zeltlagers niedergeschlagen habe, sei nicht nachweisbar, erklärte Staatsanwalt Frank Thomas. Denn auch aus dem Lager der Angler konnte dies niemand bestätigen.

Verteidiger Alexander Schmidtgall wertete das Ergebnis der Hauptverhandlung ebenso. Es gab sogar Zeugen, die sagten, dass der Angeklagte nicht zugeschlagen habe, sondern nur dabei gestanden habe. Der Verteidiger merkte an, dass ein Russlanddeutscher, der sich selbst bei der Polizei gemeldet hat und bei der Schlägerei schwer verletzt worden war, als Beschuldigter vernommen worden ist. „Es ist schon auffällig, dass gegen die Russlanddeutschen Verfahren eingeleitet worden sind, aber gegen keinen Deutschen“, so der Verteidiger – zumal ein Deutscher sogar von Faustschlägen berichtet hat, die er ausgeführt habe.

Überfall war nicht geplant
Zudem sei es unwahrscheinlich, dass die Russlanddeutschen einen geplanten Überfall auf das Zeltlager starten und dann Frauen und kleine Kinder mit an den Ort des Geschehens bringen, argumentierte der Verteidiger. Schmidtgall führte aus, dass die Russen eigentlich abziehen wollten, dass es erst durch das Rufen der Polizei und das Festhalten des Schwimmers zur Eskalation gekommen sei. Der Verteidiger forderte Freispruch für den 26-Jährigen.

Richterin Sieglinde Tettmann kam seiner Forderung nach. „Trotz umfangreicher Beweisaufnahme und Ermittlungen ist es nicht gelungen, Licht in die Sache zu bringen“, so Tettmann. „Als Fazit können wir nur ziehen, dass es wohl eindeutig eine Massenschlägerei war. Und dass der Schwimmer der Auslöser war. Aber es ist mit wechselseitigen Rangeleien losgegangen. Und man kann es dem zweiten Schwimmer nicht verdenken, dass er Angst um seinen Freund hatte und Hilfe gerufen hat“, so die Richterin. „Es war kein geplanter Überfall auf die Angler“, sagte die Richterin. Weitere Verfahren wird es in Sachen Massenschlägerei am Oberauhof nicht geben.

Frankenpost, 23.08.2008
http://www.frankenpost.de/nachrichten/kulmbach/ks/art2439,889599
Von Sonny Adam