Gericht verordnet Therapie

Wie schnell und wie tief man fast rettungslos im Drogensumpf versinken kann, zeigte sich am Mittwoch wieder einmal beim Jugendschöffengericht.Wäre die Geschichte einer jetzt 20-Jährigen aus Guttenberg nicht traurige Realität, dürfte man sagen: Kein Buchautor hätte der Schulklasse auf den Zuschauerrängen im Gericht ein traurigeres Beispiel liefern können.

Wie schnell und wie tief man fast rettungslos im Drogensumpf versinken kann, zeigte sich am Mittwoch wieder einmal beim Jugendschöffengericht.Wäre die Geschichte einer jetzt 20-Jährigen aus Guttenberg nicht traurige Realität, dürfte man sagen: Kein Buchautor hätte der Schulklasse auf den Zuschauerrängen im Gericht ein traurigeres Beispiel liefern können.

 

KULMBACH/GUTTENBERG – Auf der Anklagebank: Ein junges Mädchen, nett, bildhübsch und offensichtlich auch mit einiger Intelligenz ausgestattet. Falsche Freunde und vor allem falsche Neugier in Bezug auf Drogen haben sie innerhalb der jüngsten vier Jahre zum wiederholten Mal an diesen Platz geführt. Nach kleineren Verurteilungen wegen Diebstählen, Betrugs und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz kam es für die Guttenbergerin jetzt knüppeldick: Die Staatsanwalt warf ihr den Kauf von mehreren Hundert Ecstasy-Pillen vor. Im Raum stand auch der Verdacht, dass die 20-Jährige selbst als Dealerin tätig war.

,,Ich bin immer weiter in die Szene reingerutscht”, erzählte die junge Frau. Die von Staatsanwalt Roland Köhler vorgebrachten Anschuldigungen gestand sie rundum sein. Angefangen hatte das Fiasko 1999: Einstiegsdroge war sofort Crystal Speed. Schnell folgten Kokain, Heroin und gefährliche Giftcocktails. Zum Teil, so die Angeklagte, habe sie gar nicht gewusst, was sie alles einwirft oder spritzt.

Ihre Ausbildung zur Bürokauffrau hatte die Guttenbergerin wegen der Sucht bereits nach kurzer Zeit abbrechen müssen. Anfangs erhielt sie ihre Drogen wohl gratis, aus dem Kreis von Freunden und Partnern. Ohne eigenes Einkommen finanzierte sie ihren Bedarf später mit Diebstählen. Fragen des Gerichts nach anderen ,,Gegenleistungen” für das Rauschgift ließ die 20-Jährige unbeantwortet. Ebenso wollte sie keine Angaben über ihre Lieferanten machen.

,,Schweigen hält das System von Verbrechern am Laufen”, kommentierte Richter Herbert Potzel dieses Verhalten. ,,Sie wollen sich wohl Ihre Quellen offen halten.” Dies bestritt die Angeklagte aber entschieden. Tatsächlich hat sie vor wenigen Wochen im Bayreuther Bezirkskrankenhaus eine Drogenentgiftung hinter sich gebracht. Für eine stationäre Langzeittherapie in München wartet die Guttenbergerin noch auf eine Kostenzusage. Die Angeklagte gestand offenherzig ein, dass sie zwischenzeitlich wieder Crystal Speed genommen hat. ,,Drei Tage ohne Drogen sind für sie schon eine lange Zeit”. so Monika Cosma von der Jugendgerichtshilfe in der Strafverhandlung.

,,Wir haben hier nur einen kleinen Ausschnitt einer Drogenkarriere beleuchtet”, bilanzierte Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall den Prozess. Letztlich hatte seine Mandantin
Beim Ecstasy-Kauf erwischt Glück, dass nur wenige nachgewiesene Fälle angeklagt waren, in denen sie Ecstasy-Pillen gekauft hat. Bei Staatsanwaltschaft und Schöffengericht blieben am Ende doch erhebliche Zweifel, ob dieses ,,verkorkste Leben” (so Richter Potzel) durch eine Therapie wieder in vernünftige Bahnen gelenkt werden könne.

Mit der Verurteilung zu einer einjährigen Jugendstrafe mit Bewährung hat die 20-Jährige dennoch diese Chance erhalten. Mit ihrem eigenen Einverständnis verordnete das Gericht auch eine stationäre Therapie. Außerdem muss die Guttenbergerin noch 200 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten. GERD EMICH