In Kulmbacher Handyladen wurde getrickst

Die Staatsanwaltschaft klagte den Chef eines Handyshops im Landkreis Kulmbach und seine Angestellten wegen bandenmäßigen Betrugs an. Offenbar sollten Mobilfunkverträge auf Teufel komm raus abgeschlossen werden.

Die Staatsanwaltschaft klagte den Chef eines Handyshops im Landkreis Kulmbach und seine Angestellten wegen bandenmäßigen Betrugs an. Offenbar sollten Mobilfunkverträge auf Teufel komm raus abgeschlossen werden.

Den härtesten Job hatte am Mittwoch die Staatsanwältin. Sie musste die Anklageschrift verlesen, 18 Seiten, eng beschrieben: Namen, Daten, Anschriften und massenweise Zahlen. “Eine undankbare Aufgabe”, sagte Vorsitzender Richter Michael Eckstein, nachdem Eva-Marie Heßler fertig war. Ihr Vortrag dauerte geschlagene 75 Minuten – ohne Pause.

Im Prozess vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Bayreuth gegen den Ex-Chef eines Handyladens im Landkreis Kulmbach und drei seiner Angestellten listete die Staatsanwältin 69 Betrugsfälle auf. Den vier Angeklagten legte sie gewerbs- und bandenmäßigen Computerbetrug beziehungsweise Beihilfe dazu zur Last.

So umgeht man die Schufa

Konkret ging es um Manipulationen beim Abschluss neuer Handyverträge in den Jahren 2012 und 2013. Dann nämlich, wenn die Bonitätsprüfung bei der Schufa negativ ausfiel, hätten die Angeklagten das System bewusst umgangen. Durch veränderte Geburtsdaten oder modifizierte Adressen sollen sie grünes Licht für den Vertragsabschluss bekommen haben.
Das Motiv für die Taten: Die Angeklagten hätten ihr (mageres, Anm. d. Red.) Gehalt durch Provisionen aufbessern wollen.

Berater aus Bayreuth

Bei den betrügerischen Machenschaften sei das Quartett vom Betreiber eines Bayreuther Handyshops beraten worden. Sein Motto, so die Staatsanwältin, lautete: Kein Kunde dürfe den Laden ohne Vertrag verlassen.
Der Gesamtschaden beläuft sich laut Anklageschrift durch unberechtigte Provisionszahlungen auf zirka 25.000 Euro. Der Mobilfunkbetreiber hatte aber offenbar kein Interesse an einer Strafverfolgung und selbst keine Anzeige erstattet. Die Betrügereien waren von der Polizei durch Ermittlungen in anderer Sache entdeckt worden.
Druckartikel: In Kulmbacher Handyladen wurde getrickst https://www.infranken.de/regional/kulmbach/in-kulmbacher-handyladen…

Bedenken am Anklagevorwurf äußerte der Vorsitzende Richter. “Der hinreichende Tatverdacht eines bandenmäßigen Computerbetrugs ist derzeit nicht gegeben. Auch in dem vor der Kammer geführten Parallelverfahren gegen den Bayreuther Partnershop im Oktober 2017 hat sich ein solcher Tatnachweis nicht führen lassen”, erklärte Eckstein.
Der Shopbetreiber und eine Angestellte legten Teilgeständnisse ab. Sie übernahmen die Verantwortung für den Großteil der Betrügereien. “Ja, es wurde getrickst”, sagte der Mann. Allerdings, so sein Verteidiger Alexander Schmidtgall, Kulmbach, gab es “keine Bandenabrede”.

Ein Haifischbecken

Aus der Aussage des Hauptangeklagten wurde deutlich, dass die Mobilfunkbranche ein Haifischbecken ist. Speziell im Kulmbacher Fall ging es wohl darum, Verträge auf Teufel komm raus abzuschließen. Denn die Braut sollte aufgehübscht werden: für die Übernahme durch einen anderen Mobilfunkanbieter. “Man wollte die Zahlen hochtreiben” und durch einen großen Kundenstamm den Wert des Unternehmens steigern. “Das wurde von jedem Shop so gemacht.”

Die Tricksereien, so der Mann, seien vom Mobilfunkanbieter durchgewunken worden. “Man kann sich ja mal verschreiben”, habe es stets geheißen. Der Angeklagte schätzte den Schaden für den Mobilfunkanbieter auf maximal 2000 Euro.
Ex-Chef entschuldigt sich
Der Ex-Chef entschuldigte sich bei seinen Angestellten, dass sie seinetwegen auf der Anklagebank sitzen. Er berichtete, dass sein Laden schlecht gelaufen sei. Deswegen habe er sich auf die Betrügereien eingelassen.
Nach seiner Schätzung seien fünf Prozent aller Vertragsabschlüsse in dem fraglichen Zeitraum fingiert gewesen. Insgesamt seien von ihm 3700 Euro Provision zurückgefordert worden. Das Geld habe er bezahlt. “Dann ist nie mehr etwas gekommen.”

Zwei Verfahren eingestellt

Wegen geringer Schuld stellte das Gericht das Verfahren gegen zwei Angeklagte ein. Die ehemalige Auszubildende und der Praktikant müssen jeweils eine Geldauflage von 300 Euro bezahlen.
Das Urteil gegen die verbleibenden zwei Angeklagten wird am nächsten Mittwoch erwartet.

 

Autor und Rechte : Stephan Tiroch
Kulmbach, Mittwoch, 17. Oktober 2018