Leiche im Feringasee

Es ist der achte Verhandlungstag vor der ersten großen Schwurgerichtskammer am Landgericht München I gegen den 33 Jahre alten Konstantin V. Staatsanwalt Laurent Lafleur ist davon überzeugt, dass der Angeklagte Beatrice F. ermordet hat, heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen.

“Er hat gesagt, dass er sie mit beiden Händen erwürgt hat”

  • Ein 33-Jähriger soll seine Freundin im September 2017 erwürgt und ihre Leiche am Feringasee verbrannt haben. Der Angeklagte stellt die Tat als Unfall dar.
  • Ein ehemaliger Zellengenosse sagte vor Gericht, der Angeklagte habe ihm in Haft erzählt, dass er die Frau umgebracht habe.
  • Der Zellengenosse sagt, auch andere Männer in der Zelle hätten die Erzählungen gehört.

“Ich bin ein offener Mensch”, sagt Albert M. von sich. Derzeit sitzt der bullige Mann mit dem angedeuteten Irokesenhaarschnitt in Grau in einer Entziehungsanstalt ein. Bis vor kurzem noch teilte er sich in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim eine Zelle mit Konstantin V., dem Mann, der im September 2017 seine Freundin Beatrice F. erwürgt und ihre Leiche am Feringasee verbrannt haben soll. Bislang stellt Konstantin V. die Tat als Unfall dar. Aber seinem aufgeschlossenen Zellengenossen soll der zurückhaltende V. mehrfach erzählt haben, wie es wirklich war. Sie hätten offen miteinander geredet, sagt M., “er hat gesagt, dass er sie mit beiden Händen erwürgt hat”.

Es ist der achte Verhandlungstag vor der ersten großen Schwurgerichtskammer am Landgericht München I gegen den 33 Jahre alten Konstantin V. Staatsanwalt Laurent Lafleur ist davon überzeugt, dass der Angeklagte Beatrice F. ermordet hat, heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen. Er habe seine Freundin aus dem Weg räumen wollen, weil er längst eine neue Geliebte hatte und mit ihr ein neues Leben beginnen wollte. V. hatte hingegen über seinen Anwalt Alexander Schmidtgall verlauten lassen, dass er seine Freundin im Verlaufe eines heftigen Streits über die neue Geliebte in den Schwitzkasten genommen habe. Man sei gemeinsam hingefallen, er habe dabei versehentlich an ihrem Kopf gezogen, dann habe sie nicht mehr geatmet.

Das, was der ehemalige Zellengenosse Albert M. der ersten Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Michael Höhne zu erzählen hat, ist zum Teil sehr detailliert. “Wir haben oft darüber geredet”, sagt M. Konstantin V. sei nicht der emotionalste Mensch, aber er habe in seiner offenen Art über sich geredet, dann sei V. aufgetaut.

Als an jenem 8. September 2017 die Lebensgefährtin von Konstantin V. von einer Dienstreise nach Hause kam, fand sie das Gepäck einer anderen Frau im gemeinsamen Reihenhaus. Sie beorderte Konstantin V., der gerade mit seiner neuen Freundin zu Abend aß, via Handy nach Hause. Dann, so gibt der Zellenkumpel die Erzählung von Konstantin V. wieder, habe er die Frau in einem Gerangel zu Boden geschubst. Beatrice F. sei wieder aufgestanden und dann habe er sie mit beiden Händen am Hals gepackt und habe zugedrückt. Beide seien zu Boden gegangen, und Konstantin V. habe weitergemacht. “Wie kann man jemand so halten, wenn der mit dem Leben kämpft?”, fragt der Knastkumpel fast entsetzt das Gericht.

Die Frau sei weiß oder blau angelaufen, und Schaum und Blut seien aus ihrem Mund getreten. Deshalb soll Konstantin V. ihr einen Gefrierbeutel über den Kopf gezogen haben, um Flecken zu vermeiden. “Dann hat er sie in den Keller getragen, auf so ein Gästebett gelegt und zugedeckt.” Zwei Tage später soll er die Leiche in Müllsäcken verpackt am Feringasee bei Unterföhring abgelegt und mit Benzin übergossen haben. “Er hat eine Mütze angezündet, sie auf sie geworfen, dann ist er gegangen und hat nicht mehr zurückgeschaut.”

Albert M. hatte sich aus eigenen Stücken zu dieser Aussage entschlossen. “Es hat mich sehr, sehr mitgenommen”, sagt er, “bis heute”. Auch andere Männer in der Viererzelle hätten die Erzählungen von Konstantin V. gehört. Und ja, räumt er auf Nachfrage von Gutachter Cornelis Stadtland ein, Konstantin V. habe bei seiner psychiatrischen Begutachtung bei den Angaben zu seinem Trinkverhalten gelogen, um einen Platz in einer Entziehungsanstalt zu bekommen. Als Albert M. wieder abgeführt wird, sucht Konstantin V. Augenkontakt zu ihm. Aber M. dreht sich weg.

“Das Gericht hat nun zwei Versionen einer Tat gehört”, sagt Anwalt Schmidtgall am Ende. Man werde die Äußerungen des Knastkollegen nicht kommentieren. Für diesen Dienstag sind weitere Zeugen geladen.

© Susi Wimmer

Veröffentlicht am: 22. 10. 2018