Zweifel an Aussagen der Kronzeugen

Kulmbach/Bayreuth – Im Zweifel für den Angeklagten hat jetzt das Bayreuther Landgericht geurteilt: Ein 26-jähriger Kulmbacher hat im Sommer 2008 nur ein Kilo Haschisch anstatt der angeklagten vier Kilo angekauft. Die Strafe: eineinhalb Jahre auf Bewährung. Mit diesem Urteil quittierte die Strafkammer unter Vorsitz von Michael Eckstein die doch fragwürdige Art und Weise, wie es zu den Vorwürfen gegen den jungen Russlanddeutschen gekommen war: Der 26-Jährige war von einem Heroindealer als Geschäftspartner belastet worden.

Kulmbach/Bayreuth – Im Zweifel für den Angeklagten hat jetzt das Bayreuther Landgericht geurteilt: Ein 26-jähriger Kulmbacher hat im Sommer 2008 nur ein Kilo Haschisch anstatt der angeklagten vier Kilo angekauft. Die Strafe: eineinhalb Jahre auf Bewährung.

Mit diesem Urteil quittierte die Strafkammer unter Vorsitz von Michael Eckstein die doch fragwürdige Art und Weise, wie es zu den Vorwürfen gegen den jungen Russlanddeutschen gekommen war: Der 26-Jährige war von einem Heroindealer als Geschäftspartner belastet worden. Der 53-jährige Heroindealer, der im Herbst vergangenen Jahres unter den Augen der Polizeien mehrerer Staaten in einer Gewalttour per Auto bis nach Albanien fuhr, um von dort in einem überwachten Geschäft ein Kilo Heroin einzuschmuggeln, hatte sich nach seiner Festnahme noch mehr aufgeladen: Die Einfuhr von vier Kilo Hasch, gekauft in Rotterdam, eine Woche vor der Heroinfahrt. Diese vier Kilo Hasch will der Dealer, der im Februar mit einer viereinhalbjährigen Haft davon kam, an der 26-jährigen Kulmbacher verkauft haben. Dieser bestritt: Er habe nur ein Kilo erhalten.
Wie sich im Prozess heraus stellte, lag die Kripo für Spezialaufgaben, die ehemalige OK-Dienststelle, bereits bei dem Haschisch-Deal vor dem Kulmbacher Freibad auf der Lauer – Käufer und Verkäufer wurden observiert und abgehört. Aber: Die Kripo griff nicht ein, in der Hoffnung, der 53-Jährige werde zehn Kilo Heroin aus Albanien holen – ein Verdacht, den man aus dem Abhören von Telefonen gewonnen hatte.

Die Art und Weise, wie die belastende Aussage gegen den 26-Jährigen zustande kam, machte es dem Verteidiger Alexander Schmidtgall leicht: Er arbeitete Widersprüche heraus, etwa den, dass der Kronzeuge nach der Aussage über die vier Kilo “nachgebessert” und behauptet hatte, er habe zudem aus Rotterdam ein Kilo Heroin mitgebracht. In dem Verfahren gegen den Kronzeugen war der Vorwurf wegen dieses Heroins eingestellt worden.

Handel mit Gerechtigkeit ?

Schmidtgall rügte, dass Kriminalbeamte behauptet hatten, die Beschaffungsfahrt nach Rotterdam sei kein überwachter Drogendeal gewesen, Fragen nach Widersprüchen mit dem Hinweis gekontert hatten, sie hätten keine Aussagegenehmigung: “Hier wurde ein Handel mit Gerechtigkeit getrieben.” Das Urteil des Gerichts war für den Anwalt ein Erfolg. Der Vorsitzende Eckstein sagte: “Auf die Aussage des Kronzeugen ist eine Verurteilung für mehr als ein Kilo nicht zu stützen.”

Frankenpost, 20.5.2009
http://www.frankenpost.de/nachrichten/kulmbach/ks/art2439,1016861